Begleitung bei ADHS und Depression

  • Lorena Odermatt, ADHS-Mentorin aus Luzern
  • Selbst von ADHS betroffen
  • Über 10 Jahre Businesswelt
  • Online per Zoom, Workshops vor Ort
Lorena Odermatt, ADHS-Mentorin für Frauen, Luzern

Der Wecker klingelt zum dritten Mal. Du weisst, was heute ansteht, und trotzdem fühlt sich jeder Schritt bis ins Bad wie ein Berg an. Mit ADHS kennst du das Chaos im Kopf seit Jahren. Neu ist die Leere. Wenn zu ADHS eine Depression kommt, greifen die alten Tricks nicht mehr: Der Hyperfokus bleibt aus, und die To-do-Liste wird zum Vorwurf. Mein Coaching bei ADHS und Depression setzt im Alltag an, dort, wo die Behandlung allein oft nicht hinreicht.

Erwachsene mit ADHS erkranken deutlich häufiger an einer Depression als Erwachsene ohne ADHS. Das zeigen grosse Übersichtsarbeiten. Mehr dazu liest du im Artikel ADHS und Depression.

Coaching bei ADHS und Depression: neben deiner Behandlung

Ich arbeite neben deiner Ärztin, deinem Psychiater oder deiner Psychotherapeutin. Die Behandlung der Depression liegt bei ihnen. Meine Aufgabe ist der Alltag dazwischen: der Montagmorgen, der Posteingang, der Wäschekorb, das Gespräch mit der Chefin. Mitbringen kann ich mein eigenes ADHS und über zehn Jahre Businesswelt als Kadermitglied und Projektleiterin.

Was ich mit dir mache

Alltagsstruktur, die an schlechten Tagen hält

Mit Depression sind die Tage unterschiedlich. Wir bauen eine Struktur mit zwei Stufen: eine für Tage mit etwas Kraft und eine Minimalversion für Tage, an denen fast nichts geht. Die Minimalversion ist klein: aufstehen, etwas essen, eine Sache erledigen, fünf Minuten an die Luft. An so einem Tag ist das genug, auch wenn dein innerer Kritiker etwas anderes sagt.

Energie einteilen

Wir schauen, was dich Kraft kostet und was dir welche gibt. Die Sitzung am Montagmorgen, nach der du eine Stunde brauchst. Der Anruf bei deiner Mutter. Der Spaziergang, den du immer verschiebst. Daraus wird ein Energie-Budget, mit dem du planen kannst, ohne dich zu übernehmen.

Frühzeichen eines Rückfalls im Alltag bemerken

Du und ich halten fest, woran du im Alltag merkst, dass es wieder bergab geht. Bei manchen Frauen ist es der Briefkasten, den sie nicht mehr leeren. Bei anderen sind es die Nachrichten, die sie nicht mehr beantworten, oder der Schlaf, der kippt. Wenn du diese Zeichen kennst, kannst du früher reagieren und deine Fachperson früher informieren. Die Beurteilung, was medizinisch zu tun ist, bleibt bei ihr.

Kommunikation mit dem Arbeitgeber

Was sagst du im Büro, und was behältst du für dich? Wie bittest du um angepasste Aufgaben, ohne dich zu erklären? Wir bereiten solche Gespräche vor, schreiben bei Bedarf die Mail zusammen und üben die ersten Sätze. Dazu passt der Artikel Was du deinem Arbeitgeber über ADHS sagen kannst.

Selbstverständnis

Viele Frauen mit ADHS haben jahrelang gehört, sie seien zu viel, zu laut, zu chaotisch, zu empfindlich. Eine Depression verstärkt diese Stimmen. Wir arbeiten daran, wie du über dich denkst, und daran, deine Art zu arbeiten als deine Art zu sehen. Das geht langsam, und manche Wochen fühlen sich nach Rückschritt an.

ADHS-Erschöpfung oder Depression?

Viele Frauen fragen sich, ob ihre Müdigkeit vom ADHS kommt, von zu viel Arbeit oder von einer Depression. Von innen fühlt sich das oft gleich an. Du schaffst den Einkauf nicht, beantwortest keine Nachrichten und liegst am Sonntag auf dem Sofa, ohne dich zu erholen. Diese Frage kann ich dir nicht beantworten, und ich versuche es auch nicht. Das ist Aufgabe einer Ärztin oder eines Psychiaters. Ich kann dir helfen, deine Beobachtungen so festzuhalten, dass du sie im Termin klar schildern kannst.

Wie sieht eine Session aus?

Eine Session beginnt mit der Frage, wie die letzte Woche war. Ohne Bewertung. Manchmal ist die Antwort: Ich habe alles geschafft, was wir abgemacht haben. Manchmal: Ich habe gar nichts geschafft. Beides ist ein Ausgangspunkt. Dann schauen wir, was die Woche leichter oder schwerer gemacht hat, und passen die Struktur an. Am Schluss legst du einen kleinen nächsten Schritt fest, oft kleiner, als du ihn dir vornehmen würdest. Wenn du an einem Tag nur zuhören magst, ist das auch möglich.

Was ich nicht mache

  • Ich stelle keine Diagnosen, weder für ADHS noch für Depression.
  • Ich mache keine Psychotherapie und behandle keine Depression.
  • Ich empfehle keine Medikamente und rate auch von keinen ab. Fragen dazu gehören zu deiner Ärztin.
  • Ich beurteile nicht deine Arbeitsfähigkeit. Das macht die Ärztin, die dich krankschreibt.

Diese Grenzen machen die Zusammenarbeit klarer. Du weisst, wofür du zu wem gehst.

Wann zuerst eine Fachperson?

Geh zuerst zu deiner Hausärztin oder zu einer Psychiaterin, wenn du seit zwei Wochen oder länger kaum Freude empfindest, schlecht schläfst, dich zu nichts aufraffen kannst oder noch keine Behandlung hast. Eine Depression gehört in fachliche Hände. Die Begleitung bei mir kann später dazukommen.

Wenn du an Suizid denkst oder nicht mehr weisst, wie du die nächsten Stunden überstehst, ruf sofort an. Bei der Dargebotenen Hand unter Telefon 143 nimmt Tag und Nacht jemand ab, anonym. Das Gespräch selbst kostet nichts, je nach Anbieter fallen Verbindungsgebühren an. Bist du in unmittelbarer Gefahr, wähl 144 oder geh auf den Notfall des nächsten Spitals.

Wie kann die Zusammenarbeit mit deiner Therapeutin aussehen?

Das entscheidest du. Manche Frauen halten die beiden Bereiche getrennt, und das funktioniert gut. Andere möchten, dass ihre Therapeutin weiss, woran wir arbeiten. Wenn du das willst, sieht es zum Beispiel so aus:

  1. Du erzählst deiner Therapeutin von der Begleitung und fragst, ob sie einen Austausch sinnvoll findet.
  2. Du gibst mir schriftlich dein Einverständnis und legst fest, was ich weitergeben darf und was nicht.
  3. Wir besprechen gemeinsam, was in den Austausch gehört, etwa die Tagesstruktur, die wir gerade testen, oder die Frühzeichen, die du für dich definiert hast.
  4. Du kannst dein Einverständnis jederzeit zurückziehen.

Was du mir in den Sessions erzählst, bleibt bei mir. Ohne deine Zustimmung erfährt niemand davon, auch nicht deine Therapeutin oder dein Arbeitgeber.

Oft hilft auch der umgekehrte Weg: Wir schreiben vor deinem nächsten Therapietermin auf, was dir im Alltag aufgefallen ist. So nimmst du deine Beobachtungen mit, statt im Gespräch nach ihnen zu suchen.

Zoom, WhatsApp und ein Rhythmus, der zu dir passt

Die Sessions finden via Zoom statt, du kannst also von zu Hause aus teilnehmen, auch an Tagen, an denen der Weg vor die Tür zu weit ist. Zwischen den Sessions erreichst du mich per WhatsApp. Wie oft wir uns sehen und wie lange die Begleitung dauert, legen wir im Klarheitscall gemeinsam fest. Mit Depression passt der feste Rhythmus des 8-Wochen-Mentorings nicht immer.

Wenn du gerade krankgeschrieben bist und die Rückkehr in den Job näher rückt, schau dir auch die Begleitung bei der Wiedereingliederung an. Und wenn die Erschöpfung eher nach Burnout klingt, findest du Hintergründe im Artikel ADHS und Burnout oder zur emotionalen Dysregulation.

Häufige Fragen

Ersetzt die Begleitung eine Psychotherapie?

Sie läuft daneben. Deine Therapeutin arbeitet an der Depression, ich arbeite mit dir am Alltag, also an Tagesstruktur und Energie, auch im Job.

Kann ich mitmachen, wenn ich noch keine Behandlung habe?

Bei Verdacht auf eine Depression ist der erste Schritt deine Hausärztin oder eine Psychiaterin. Wenn du noch auf einen Termin wartest, können wir im Klarheitscall besprechen, ob eine Begleitung bis dahin sinnvoll ist oder ob es zuerst Ruhe braucht.

Brauche ich eine ADHS-Diagnose?

Für das ADHS nicht. Die Depression dagegen sollte ärztlich oder therapeutisch begleitet sein.

Sprichst du mit meiner Therapeutin?

Nur wenn du das möchtest und schriftlich einverstanden bist. Du bestimmst, was ausgetauscht wird. Ohne dein Einverständnis gebe ich keine Informationen weiter.

Was, wenn ich an einem Tag keine Kraft für die Session habe?

Dann sag es mir. Wir können kürzer arbeiten, nur sortieren oder verschieben. Zwanzig ruhige Minuten bringen dir mehr als eine Stunde, die du dir abringst.

Hilfst du mir auch bei Medikamentenfragen?

Fragen zu Medikamenten gehören zu deiner Ärztin oder deinem Psychiater. Ich helfe dir höchstens, sie vor dem Termin aufzuschreiben, damit sie dir im Gespräch nicht entfallen.

Kann die Begleitung auch während einer Krankschreibung stattfinden?

Ja, wenn deine Ärztin nichts dagegen hat. Oft passt dann die Begleitung bei der Wiedereingliederung besser, oder eine Mischung aus beidem. Das klären wir im Klarheitscall.

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