ADHS-Glossar: Begriffe von Hyperfokus bis Frühintervention

Manche ADHS-Begriffe stammen aus der Fachsprache, andere hat die Community geprägt, und in Podcasts klingen beide oft gleich wichtig. Das Glossar erklärt die geläufigsten kurz und sachlich. Wo es einen ausführlichen Artikel im ADHS-Wissen gibt, ist er verlinkt.

ADHS-Burnout
Umgangssprachlicher Begriff für einen Zustand tiefer Erschöpfung, der bei Menschen mit ADHS nach langer Überlastung und Anpassung entstehen kann. Die WHO führt Burnout in der ICD-11 als arbeitsbezogenes Phänomen und nicht als Krankheit, eine eigene Diagnose «ADHS-Burnout» gibt es nicht. Anhaltende Erschöpfung sollte ärztlich abgeklärt werden, weil auch eine Depression dahinterstecken kann. Weiterlesen
Arbeitsversuch (IV)
Eine Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung. Die IV vermittelt dich an ein Unternehmen im ersten Arbeitsmarkt, wo du während höchstens 180 Tagen zeigen kannst, was du leistest. Es entsteht kein Arbeitsvertrag, aber eine Vereinbarung, und je nach Voraussetzungen erhältst du Taggelder oder weiter deine IV-Rente. Weiterlesen
Body Doubling
Eine Strategie, bei der eine andere Person anwesend ist, vor Ort oder per Video, während man selbst an einer Aufgabe arbeitet. Vielen Menschen mit ADHS fällt so das Anfangen leichter, und sie bleiben länger dran. Die Methode wird aus der Praxis berichtet, wissenschaftlich ist sie bisher wenig untersucht.
Dopamin
Ein Botenstoff im Gehirn, der unter anderem an Motivation, Belohnung und Aufmerksamkeit beteiligt ist. Studien weisen bei ADHS auf Unterschiede im Dopamin-Belohnungssystem hin. Das kann erklären, warum interessante Aufgaben leicht fallen und langweilige kaum zu starten sind.
Emotionale Dysregulation
Schwierigkeiten, die Stärke und Dauer von Gefühlen zu steuern. Gefühle kommen schnell, fallen heftig aus und klingen langsam ab. Emotionale Dysregulation gehört nicht zu den offiziellen ADHS-Kriterien, tritt bei Erwachsenen mit ADHS aber häufig auf und kann den Alltag stark belasten. Weiterlesen
Exekutive Funktionen
Sammelbegriff für die geistigen Steuerungsprozesse, mit denen wir planen, Prioritäten setzen, Impulse bremsen, Informationen im Arbeitsgedächtnis halten und flexibel umdenken. Bei ADHS sind diese Funktionen häufig beeinträchtigt. Das zeigt sich im Alltag etwa beim Anfangen von Aufgaben oder beim Einhalten von Abläufen.
Frühintervention (IV)
Massnahmen der IV, die möglichst rasch greifen sollen, damit du deinen Arbeitsplatz behalten oder in eine andere Stelle wechseln kannst. Dazu gehören etwa Anpassungen am Arbeitsplatz, Kurse, Berufsberatung oder Beratung und Begleitung. Die Phase beginnt mit der IV-Anmeldung und dauert höchstens zwölf Monate, einen Rechtsanspruch auf bestimmte Massnahmen gibt es nicht. Weiterlesen
Hyperfokus
Ein Zustand sehr intensiver, lang anhaltender Konzentration auf eine Tätigkeit, die als interessant oder lohnend erlebt wird. Menschen mit ADHS berichten oft davon, dass sie dabei Zeit, Hunger oder andere Aufgaben vergessen. Hyperfokus ist kein offizielles Diagnosekriterium, wird aber in der Forschung zunehmend untersucht.
Komorbidität
Das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehr Erkrankungen bei einer Person. Bei Erwachsenen mit ADHS kommen zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, Schlafprobleme oder Suchterkrankungen häufiger vor als in der Gesamtbevölkerung. Das ist wichtig für Diagnose und Behandlung, weil sich die Beschwerden überlagern können. Weiterlesen
Masking
Das bewusste oder unbewusste Verbergen von ADHS-Merkmalen, um nicht aufzufallen, zum Beispiel durch ständiges Kontrollieren, übermässige Vorbereitung oder Anpassen des eigenen Verhaltens. Masking kann sehr viel Energie kosten und dazu beitragen, dass ADHS bei Frauen spät erkannt wird. Weiterlesen
Neurodivergenz
Sammelbegriff für Menschen, deren Gehirn in wichtigen Bereichen anders arbeitet als bei der Mehrheit, etwa bei ADHS, Autismus oder Legasthenie. Der Begriff stammt aus der Neurodiversitäts-Bewegung und ist keine medizinische Diagnose. Er betont, dass diese Unterschiede zur natürlichen Vielfalt gehören.
Prokrastination bei ADHS
Das wiederholte Aufschieben von Aufgaben, obwohl man sie erledigen will und die Folgen kennt. Bei ADHS hängt das oft mit Schwierigkeiten beim Starten, mit fehlender Belohnung durch die Aufgabe und mit Zeitblindheit zusammen. Mit Faulheit oder fehlendem Willen hat das wenig zu tun. Weiterlesen
Reizüberflutung
Das Gefühl, von Geräuschen, Licht, Gesprächen oder Informationen überwältigt zu werden. Viele Menschen mit ADHS können Reize schlechter ausfiltern und erleben deshalb Grossraumbüros oder lange Meetings als besonders anstrengend. Erschöpfung, Gereiztheit oder Rückzug sind mögliche Folgen.
Rejection Sensitive Dysphoria
Englischer Begriff für einen intensiven emotionalen Schmerz bei echter oder vermuteter Ablehnung und Kritik. Er wird in der ADHS-Community viel verwendet, ist aber keine offizielle Diagnose, und die Forschung dazu steht noch am Anfang. Fachlich wird das Phänomen meist als Teil der emotionalen Dysregulation verstanden. Weiterlesen
Zeitblindheit
Umgangssprachlicher Begriff für Schwierigkeiten, Zeit zu schätzen, einzuteilen und zukünftige Termine als dringlich zu erleben. Eine Frist in zwei Wochen fühlt sich dann ähnlich weit weg an wie eine in zwei Monaten. Fachlich wird das unter Problemen der Zeitwahrnehmung und der exekutiven Funktionen beschrieben. Weiterlesen
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