Wiedereingliederung nach Burnout: Begleitung für Frauen mit ADHS

  • Lorena Odermatt, ADHS-Mentorin aus Luzern
  • Selbst von ADHS betroffen
  • Über 10 Jahre Businesswelt
  • Online per Zoom, Workshops vor Ort
Lorena Odermatt, ADHS-Mentorin für Frauen, Luzern

Du sitzt am Küchentisch und füllst das Formular der Krankentaggeldversicherung zum zweiten Mal aus, weil du beim ersten Mal eine ganze Seite übersprungen hast. Im Kalender steht in drei Wochen ein Gespräch mit deiner Vorgesetzten. Du willst zurück, und gleichzeitig wird dir beim Gedanken an das Grossraumbüro schwindlig. Die Wiedereingliederung nach Burnout ist für Frauen mit ADHS eine eigene Herausforderung. Das Pensum ist reduziert, die Reize sind dieselben. Und das Gehirn, das vorher schon doppelt gearbeitet hat, soll jetzt wieder funktionieren, als wäre nichts gewesen.

Ich begleite dich durch diese Phase. Von der Planung während der Krankschreibung bis in die ersten Monate zurück im Job.

Für wen ist die Begleitung bei der Wiedereingliederung nach Burnout?

Für Frauen mit ADHS (mit oder ohne Diagnose), die:

  • krankgeschrieben sind und eine Rückkehr an den Arbeitsplatz planen
  • bereits mit reduziertem Pensum zurück sind und merken, dass es harzt
  • eine neue Stelle antreten, nachdem die alte zu viel geworden ist
  • mit IV, Krankentaggeldversicherer oder Case Management zu tun haben und den Überblick verlieren

Die Begleitung läuft neben deiner ärztlichen oder therapeutischen Behandlung. Ob und wie viel du arbeiten kannst, entscheidet deine Ärztin. Ich helfe dir, mit diesem Rahmen gut zu leben, und ich habe selbst ADHS. Du musst mir nicht erklären, warum ein Grossraumbüro nach drei Stunden zu viel ist.

Wer ist in der Schweiz oft beteiligt?

Bei einer längeren Krankschreibung bist du selten allein mit deinem Arbeitgeber. Häufig kommen weitere Stellen dazu:

Der Krankentaggeldversicherer zahlt, je nach Vertrag deines Arbeitgebers, während der Krankheit ein Taggeld. Viele Versicherer haben ein eigenes Case Management, das sich bei dir meldet und die Rückkehr mitplant.

Das betriebliche Case Management gibt es in grösseren Unternehmen. Es koordiniert zwischen dir, deiner Führungskraft, HR und den Versicherungen.

Die IV kann früh ins Spiel kommen. Mit der Früherfassung soll sie möglichst rasch mit Menschen in Kontakt treten, die aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig sind. Melden dürfen unter anderem du selbst, dein Arbeitgeber, deine Ärztin und der Krankentaggeldversicherer. Wer dich meldet, muss dich vorher informieren. Nach einer IV-Anmeldung prüft die IV-Stelle, ob Frühinterventionsmassnahmen helfen, etwa eine Anpassung des Arbeitsplatzes, Beratung und Begleitung oder Arbeitsvermittlung. Diese Phase dauert höchstens zwölf Monate. Einen Rechtsanspruch auf Frühintervention gibt es nicht, die IV-Stelle entscheidet.

Für Menschen mit psychisch bedingten Einschränkungen sind die Integrationsmassnahmen gedacht. Sie bereiten auf berufliche Massnahmen oder einen Stellenantritt vor. Voraussetzung ist unter anderem, dass du seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 Prozent arbeitsunfähig bist.

Ausführlich erklärt ist das System im Artikel Wiedereingliederung in der Schweiz und zur IV-Frühintervention. Die verbindlichen Auskünfte gibt dir deine IV-Stelle.

Was wir gemeinsam vorbereiten

Den Rückkehrplan

Wir schreiben auf, wie die ersten Wochen aussehen sollen: welche Tage, welche Zeiten, welche Aufgaben zuerst. Ein guter Plan beginnt mit den Aufgaben, die dir liegen, und lässt die Projekte mit 14 offenen Enden vorerst liegen. Den Plan nimmst du ins Gespräch mit deiner Ärztin und deinem Arbeitgeber mit.

Den Arbeitsversuch

Mit «Arbeitsversuch» ist oft zweierlei gemeint. Im Alltag nennen viele die stufenweise Rückkehr an den bisherigen Arbeitsplatz so, mit einem Pensum, das die Ärztin festlegt. Im Gesetz ist der Arbeitsversuch (Art. 18a IVG) eine Massnahme der IV: Die IV vermittelt dich an ein Unternehmen im ersten Arbeitsmarkt, das deine Fähigkeiten während höchstens 180 Tagen testen kann. Es gibt keinen Arbeitsvertrag, dafür eine Vereinbarung. Mehr dazu im Artikel Arbeitsversuch und Teilzeit.

In beiden Fällen bereiten wir vor, was du in dieser Zeit zeigen und herausfinden willst. Und wir halten fest, was dir schwerfällt, damit du es belegen kannst.

Das Gespräch mit Vorgesetzten oder HR

Was erzählst du über deine Krankheit, was nicht? Musst du ADHS erwähnen? Wie bittest du um einen ruhigeren Arbeitsplatz oder um feste Fokuszeiten? Wir gehen das Gespräch durch, bevor es stattfindet. Du gehst mit drei, vier Sätzen hinein, die du sagen willst, und mit einer Antwort auf die Frage «Wie geht es dir?», die dich nicht überrumpelt. Hilfreich dazu ist der Artikel Was du deinem Arbeitgeber über ADHS sagen kannst.

Dein Energie-Budget

Ein Pensum von 50 Prozent heisst nicht 50 Prozent der Erschöpfung. Ein Morgen mit zwei Meetings kann dich mehr kosten als ein ganzer Tag konzentrierter Arbeit. Wir finden heraus, wofür du Energie ausgibst, wo du sie zurückholst und wie viel Reserve du für die Abende brauchst. Das Budget passen wir an, sobald du Erfahrungen gesammelt hast.

Die ersten 100 Tage

Die schwierigste Phase kommt oft nach der ersten Euphorie. Nach sechs Wochen erwarten alle, dass du wieder die Alte bist, und die Aufgaben stapeln sich. Wir legen fest, woran du merkst, dass es zu viel wird, und was du dann tust. Wir überprüfen in regelmässigen Abständen, ob der Plan noch stimmt. Wenn trotzdem ein Rückschlag kommt, schauen wir, was er dir über den nächsten Schritt verrät.

Ablauf und Rhythmus

Wir arbeiten via Zoom, du musst also nicht in einen Zug steigen, wenn dir das gerade zu viel ist. Zwischen den Sessions erreichst du mich per WhatsApp, zum Beispiel am Abend vor dem Gespräch mit HR oder nach dem ersten Tag im Büro. Wie oft wir uns sehen und wie lange die Begleitung dauert, legen wir im Klarheitscall fest. In der Planungsphase während der Krankschreibung reicht oft ein ruhigerer Rhythmus. Rund um den ersten Arbeitstag wird es meist dichter.

Wenn IV, Versicherer oder Case Management Termine und Ziele vorgeben, nehmen wir diese in den Plan auf. So musst du nicht drei Kalender im Kopf behalten.

Was kostet die Begleitung, und wer zahlt?

Wenn dein Arbeitgeber oder ein Versicherer die Begleitung unterstützen möchte, finden sie auf der Seite für Arbeitgeber Informationen dazu, wie Rollen und Vertraulichkeit geregelt sind. Was du mir erzählst, bleibt bei dir und mir.

So beginnen wir

Im kostenlosen Klarheitscall erzählst du mir, wo du stehst: krankgeschrieben, im Arbeitsversuch oder schon zurück. Ich sage dir, ob und wie ich dich begleiten kann. Wenn du eher Unterstützung bei einer Depression brauchst, ist vielleicht die Begleitung bei ADHS und Depression der bessere Anfang.

Falls es dir im Moment sehr schlecht geht, hat deine Ärztin Vorrang vor jeder Planung. In einer akuten Krise kannst du die Dargebotene Hand anrufen, Telefon 143, anonym und auch mitten in der Nacht.

Häufige Fragen

Ab wann kann die Begleitung starten?

Schon während der Krankschreibung, wenn deine Ärztin einverstanden ist. Viele Fragen lassen sich besser klären, bevor der erste Arbeitstag feststeht. Wenn du dich noch sehr erschöpft fühlst, warten wir, bis es dir etwas besser geht.

Bestimmst du, wie viel ich arbeiten darf?

Arbeitsfähigkeit und Pensum legt deine Ärztin fest, bei IV-Massnahmen zusammen mit der IV-Stelle. Ich helfe dir, mit diesem Pensum gut umzugehen und deine Erfahrungen für das nächste Arztgespräch festzuhalten.

Ist ein Arbeitsversuch dasselbe wie eine stufenweise Rückkehr?

Nicht ganz. Im Alltag sagen viele Arbeitsversuch, wenn sie mit reduziertem Pensum an den bisherigen Arbeitsplatz zurückkehren. Im Gesetz (Art. 18a IVG) ist der Arbeitsversuch eine Massnahme der IV, bei der ein Unternehmen deine Fähigkeiten während höchstens 180 Tagen testen kann, ohne Arbeitsvertrag. Frag im Zweifel nach, was in deinem Fall gemeint ist.

Muss ich mich bei der IV anmelden, damit du mich begleiten kannst?

Die Begleitung funktioniert mit und ohne IV. Ist die IV schon beteiligt, nehmen wir ihre Schritte und Fristen in deinen Rückkehrplan auf.

Erfährt mein Arbeitgeber, was ich dir erzähle?

Nein. Was du in den Sessions erzählst, bleibt bei dir und mir. Wenn dein Arbeitgeber oder ein Versicherer die Begleitung mitfinanziert, vereinbaren wir vorher schriftlich, welche Rückmeldungen er erhält. Du siehst sie, bevor sie rausgehen.

Was, wenn die Rückkehr nicht klappt?

Das kann passieren, und es ist kein Versagen. Dann schauen wir mit dir, was zu viel war, und du besprichst mit deiner Ärztin die nächsten Schritte. Lieber passt du den Plan an, als dass du durchhältst, bis du wieder krank bist.

Brauche ich eine ADHS-Diagnose?

Nein, du kannst auch mit einem Verdacht kommen. Krankschreibung und Versicherungsfragen bleiben ohnehin bei deiner Ärztin.

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